
Die Kartoffel, das meistverzehrte Gemüse, ist als hochwertiges Grundnahrungsmittel ein unverzichtbarer Faktor einer gesunden Ernährung: relativ energiearm, leicht verdauliche Kohlenhydrate, ernährungsphysiologisch hochwertiges Eiweiß sowie vitamin- und mineralstoffreich. Beim Frühkartoffelanbau wird gezielt genutzt, dass das Wachstum unter den Bedingungen des Kurztages zu früherem Knollenansatz und zeitigerer Reife führt. Bedeutsam ist auch der relativ niedrige Arbeits- und Pflegeaufwand.
Bodenansprüche
Eine zeitige Frühkartoffelernte erfordert vor allem einen zeitigen Frühjahrsbeginn, leicht erwärmbaren Boden, die Möglichkeit einer frühen Auspflanzung, geringe Spätfrostgefahr und ausreichendes Wasserdargebot im Mai und Juni. Ungünstige Bedingungen lassen sich im Kleingarten abschwächen, z.B. durch höheren Humusgehalt, Abdeckung zur Bodenerwärmung sowie als Frostschutz und Bewässerung.
Die Kartoffel braucht einen ausreichend abgetrockneten und schon etwas (auf 5 bis 6 °C) erwärmten Boden, was durch Herbstformung der Dämme in SO-NW-Richtung sowie durch zusätzliche Bedeckung mit Schwarzfolie ab Ende Februar/Anfang März erreicht werden kann. Damit lässt sich der Pflanzzeitpunkt um mindestens sechs bis zehn Tage vorverlegen.
Pflanzgut
Möglichst zeitig Kartoffeln einer frühen oder sehr frühen Reifegruppe (‘Arkula’, ‘Accent’, ‘Christa’, ‘Cilena’, ‘Frühgold’, ‘Gloria’, ‘Karlene’ u.a.) kaufen. Die Erntezeitstaffelung ist von Reifegruppe und Knollengröße abhängig. Große Knollen bringen eine sehr frühe Ernte mit vielen, aber kleineren Knollen; für die nachfolgenden Erntegänge wählt man kleinere Knollen (50 bis 70 g), die etwas später weniger, aber dafür größere Knollen bringen.
Möglichkeiten der Pflanzgutvorbereitung
Vorkeimen in hellen Räumen am Fenster (keine pralle Sonne), um kurze, gedrungene Keime mit bereits sichtbarer Wurzelbildung zu erreichen. Direkt nach dem Pflanzgutkauf wird die Temperatur etwa acht Tage lang auf 16 °C erhöht und während der nächsten vier Wochen auf 6 °C gesenkt und bis zum Auspflanzen beibehalten. Die Stiege dreht man zweimal pro Woche.
Ziel sind 15 bis 20 mm lange Lichtkeime. (Sollten doch einmal lange Schattenkeime entstehen, legt man sie einfach schräg in den Boden, muss sie aber ebenfalls mind. 5 cm mit Erde bedecken).
Wärmevorbehandlung beschleunigt die Keimungsbildung von erst spät gekauftem Pflanzgut: Kartoffeln unter Heizkörper stellen und bei 20 bis 25 °C solange aufwärmen, bis mindestens 2 mm lange Punktkeime entstanden sind. Ist dann schon Pflanzwetter, dann erst auf 6 °C abkühlen; ansonsten Lichtkeime entstehen lassen.
Vorbewurzelung als Kombination mit der Wärmevorbehandlung: Sind die Lichtkeime 15 bis 20 mm lang, dann die Kartoffeln vorsichtig (insbesondere am Keimgrund) in einen dickflüssigen Brei aus je einem Drittel Lehm, Komposterde und Sägemehl tauchen, in ausreichend große, mit feuchtem Torfmull oder Komposterde gefüllte Plastikbecher legen und mit Torfmull gut abdecken. Bei etwa 8 °C hell stellen und öfter nachfeuchten.
Der Becher wird durchwurzelt. Der Entwicklungsvorsprung zur unbehandelten Knolle beträgt vier bis sechs Wochen. Kommt das Frühjahr zu spät, dann den Topf 5 bis 6 cm höher bedecken und als Jungpflanze auspflanzen.
Fruchtfolge
Kartoffeln sollen möglichst nicht auf Flächen gepflanzt werden, auf denen im Vorjahr Gurken, Tomaten (Braunfäule!), Paprika oder Schwarzwurzeln gestanden haben. War der Kartoffelbestand gesund, ist eine Selbstfolge durchaus möglich.
Auspflanzung
Die Bodentemperatur sollte an den vorhergehenden Tagen mindestens 6 °C betragen, und die Kartoffeln sind zuvor innerhalb von fünf Tagen auf diese Temperatur abzukühlen. Vorbewurzelte Knollen sind vor dem Pflanzen kräftig anzufeuchten. Die Pflanzweite beträgt 50 x 30 cm bzw. 60 x 25 cm; die Oberkante der Kartoffel sollte mindestens 5 bis 6 cm mit Erde bedeckt sein. Am geeignetsten ist die Dammkultur. Als Nährstoffgabe genügen 800 g/10 m² eines N-reichen Volldüngers.
Folienbedeckung zur Ernteverfrühung und zum Frostschutz
Mit Folienabdeckung (perforierte Schlitz- oder Lochfolie) wird nicht nur die Entwicklung durch Erhöhung der Luft- und Bodentemperatur (März 1 bis 3 °C, April 3 bis 5 °C gegenüber dem Freiland) beschleunigt, sondern es erfolgt zugleich ein Frostschutz. Die Folie bleibt so lange auf dem Damm, bis die Spätfrostgefahr vorüber ist. Wickelt man die Folie rechts und links des Dammes auf eine Leiste, kann sie zur Unkrautpflege, zum Nachhäufeln sowie zur Bewässerung abgenommen und durch Abwickeln dem Pflanzenwachstum angepasst werden. Droht starker Nachtfrost, sollte stark gewässert, ggf. zusätzlich Dämmmaterial und auch die Folie wieder aufgelegt werden. Ein endgültiges Abnehmen der Folie erfolgt nach dem 20. Mai, am besten bei bedecktem Himmel ohne pralle Sonne (auch während der nächsten drei Tage).
Pflegemaßnahmen
Frühkartoffeln sind pflegeleicht; es genügt eine Unkrautregulierung, ein Anhäufeln, um grüne Knollen zu vermeiden, und gelegentliches Wässern, insbesondere nach dem Abnehmen der Folie. Die Kraut- und Knollenfäule als bedeutendste Kartoffelkrankheit spielt bei früher Ernte kaum eine Rolle, da sie erfahrungsgemäß erst ab Mitte Juni auftritt. Sehr frühe Sorten, gute Pflanzgutvorbehandlung, unkrautfreier Bestand und das Entfernen befallener Blätter sind die beste Vorbeugung. Notfalls spritzt man vorbeugend ein zugelassenes Mittel. Bei Kartoffelkäferbefall hilft ein Absammeln der Käfer, Larven und Eigelege.
Ernte
Die ersten Frühkartoffeln können nach etwa 60 bis 70 Tagen geerntet werden, wenn sie ausreichend groß sind und die Schale sich mit dem Daumen nicht mehr abschieben lässt. Manchmal hilft auch eine Kochprobe, ob sie schon schmecken.
Dr. Rudolf Trepte
Unser Rezeptvorschlag: Kartoffeln vom Blech
Zutaten für 2 Personen:
400 g neue Kartoffeln, 4 Scheiben herzhaften Schinken, 1 Knoblauchzehe, 1 Ei, 1 Tl Senf, 1 Zweig Rosmarin, 2 Stiele Thymian, 150 ml Olivenöl, 50 bis 60 g Oliven, nach Belieben Oregano und Petersilie.
Kartoffeln gründlich abbürsten und längs halbieren. Rosmarinnadeln und Thymianblättchen von den Zweigen abstreifen. Backblech mit Olivenöl einstreichen, Kräuter gleichmäßig darauf verteilen und die Kartoffeln mit der Schnittfläche nach unten auf das Backblech setzen. Das Ganze im vorgeheizten Herd bei 200 °C (Gas Stufe 3) 30 bis 35 Minuten backen.
In der Zwischenzeit Knoblauch durchpressen, mit Ei und Senf in einem Rührbecher unter langsamer Ölzugabe zu einer Remoulade aufschlagen. Oliven halbiert etwa 5 Min. vor Ende der Garzeit zu den Kartoffeln geben. Die Kartoffeln mit dem Schinken und der Remoulade anrichten.