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Über den Sommerschnitt am Spalierobst

Zwischen Juni und August sollte das Spalierobst je nach Blütenknospendifferenzierung seinen Sommerschnitt erhalten. Foto: Reinhard

Bei Spalierobstbäumen nach klassischem Vorbild ist der Sommerschnitt unerlässlich, um das Wachstum zu begrenzen und die Blütenknospenbildung zu fördern. Der Grundgedanke der Notwendigkeit des Sommerschnitts und der sommerlichen Laubarbeiten liegt darin, dass während der Vegetationszeit durch das Gehölz weitaus mehr Triebe erzeugt werden, als zur Fruchtbildung und weiteren Kronengestaltung überhaupt notwendig sind. Diese Triebe müssten während der Schnittperiode im Winter entfernt werden.

Da der Winterschnitt jedoch unter Umständen problematisch sein kann, werden die Triebe, die ohnehin nicht benötigt werden, bereits im krautigen, d.h. im noch nicht verholzten Zustand, entfernt. Das geschieht durch Herausdrehen oder ­reißen. Die so entstandenen Wunden verheilen sehr schnell, da während der Vegetationszeit die Wundkallusbildung am größten ist.

Die verbliebenen Sommertriebe werden in ihrer Länge eingekürzt. Die gebildeten Assimilate stehen in diesem Fall für die Blütenknospendifferenzierung zur Verfügung. In stark wüchsigen Trieben würden dagegen die Assimilate in Richtung der Triebspitzen wandern und das Triebwachstum fördern.

Allgemein können deshalb für den jährlichen Sommerschnitt folgende Vorteile formuliert werden:

  • Verbesserung der Belichtungsverhältnisse in der Krone und damit Verbesserung der Blütenknospenbildung für das kommende Jahr.
  • In Abhängigkeit vom Schnitt bzw. Behandlungszeitraum kann eine beträchtliche Wachstumsminderung bewirkt werden. Dieser Effekt hat sich besonders bei stark wüchsigen Obstgehölzen, wie z.B. Süßkirsche, als außerordentlich positiv erwiesen.
  • Die gesamte Fruchtentwicklung wird qualitativ positiv beeinflusst in Hinsicht auf Ausfärbung der Früchte, verminderten Krankheitsbefall sowie in die Frucht eingelagerte Inhaltsstoffe.
  • Die gesamte Kronengestaltung bleibt übersichtlich und erfordert zum Winterschnitt einen verringerten Aufwand.

Zeitpunkt des Sommerschnitts

Der Zeitpunkt des Sommerschnitts ist für das zu erwartende Ergebnis von besonderer Bedeutung. Ein zu frühzeitiges Entspitzen von Sommertrieben bewirkt ein erneutes Austreiben der obersten Knospe, wobei das Längenwachstum bereits etwas eingeschränkt ist. Erneutes Stutzen des Austriebes trägt zur Bildung von Blütenknospen im basalen Bereich des Triebes bei. Je nach Fortschreiten der Vegetationszeit werden das Triebwachstum und die Bildung von Blütenknospen beeinflusst. Wichtig für die Sommerbehandlung der Triebe ist die Zeit der Blütenknospendifferenzierung. Um das Umfunktionieren von Blatt und Holzknospen in Blütenknospen zu gewährleisten, darf der Zeitpunkt der Behandlung vor dem Zeitraum der Blütenknospendifferenzierung nicht versäumt werden (siehe Tabelle).

Gerd Großmann, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft  

 

Obstart Zeitraum der Blütenknospendifferenzierung
   
Rebe Mitte Juni bis Mitte Juli
Rote und Weiße Johannisbeere letzte Junidekade bis Mitte Juli
Süßkirsche Ende Juni bis zweite Julidekade
Sauerkirsche Ende Juni bis Ende Juli
Birne Anfang Juli bis Anfang August
Aprikose erste Julidekade bis Ende Juli
Pflaume erste Julidekade bis erste Augustdekade
Apfel erste Julidekade bis zweite Augustdekade