Neu!

Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V.

Aktuelles:
24.11.2016 11:43

Landeswettbewerb 2017 ausgeschrieben

LfULG und LSK schreiben gemeinsamen Landeswettbewerb "Gärten in der Stadt" 2017......[mehr]

23.10.2016 09:53

Verbesserte Versicherungsbedingungen

KVD verbessert den Versicherungsschutz in den Gruppenverträgen zum 1. Januar 2017. Informieren......[mehr]

02.10.2016 09:28

LSK beim „Tag der Sachsen“ 2016

---> hier informieren...[mehr]

Alte Gemüsesorten

Der Hirschhornwegerich diente schon im 16. Jahrhundert als Heilkraut bei Nieren- und Blasenbeschwerden.

Über das Thema „Vielfalt“ wird viel gesprochen, aber es wird nicht mehr gelebt. Große Konzerne wollen auch das Recht an Saatgut und damit auch an der Vielfalt, aber der Erhalt der Vielfalt ist keinesfalls ihr Ziel. In den vergangenen Jahren hat sich ein Gemüsesortiment etabliert, welches als fertiges Gemüse im Markt angeboten wird, aber auch als Saatgut für jedermann zur Verfügung steht. Es gibt innerhalb der angebotenen Sorten farbliche und geschmackliche Nuancen, aber mehr auch nicht. Dabei begleitet Gemüse die Menschen bereits, seit sie die Bäume verlassen haben. Sicherlich hat es lange gedauert, bevor die Menschen ihr Gemüse nicht nur zufällig fanden, sondern auch angebaut haben. So war es bereits im „Alten Ägypten“ üblich, Gemüse in Gärten anzubauen. So wurden bereits Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen und ägyptische Gurken kultiviert. Die ägyptische Gurke ist jedoch eher eine kleine Melone denn eine Gurke. Dem Knoblauch kam in dieser Zeit eine besondere Bedeutung zu, er wurde den Arbeitern beim Bau der Pyramiden in großer Menge verabreicht, um diese gesund zu erhalten. Auch im „Alten Griechenland“ hatte das Gemüse eine große Bedeutung. So hatte auch Wildgemüse besonders in Fastenzeiten einen großen Wert für die „Alten Griechen“. Vielleicht wurde hierdurch die Kultivierung neuer Sorten begünstigt. Sicherlich hatten es in dieser Zeit Sorten wie der Hirschhornwegerich in die Gärten geschafft.

Der Baumspinat wird bis zu 3 m hoch, seine kräftigen Stängel werden auch als Wanderstöcke genutzt.

Die Römer übernahmen die bereits bekannten Gemüsesorten und brachten im Laufe der Jahrhunderte viele neue Sorten hinzu. Ihr intensiver Handel und die territoriale Ausbreitung des Römischen Reiches führte zu einer schnellen Verbreitung vieler Gemüsesorten aus aller Welt. Es wird angenommen, dass der Rheinische Gemüsebau auf die Römer zurückzuführen ist. Durch das Wirken der Römer entstand bereits früh ein reichhaltiger Gemüsebestand in Europa, und das unterschiedliche Klima unseres Kontinents begünstigte wohl ganz nebenbei das Entstehen neuer Sorten! Im Mittelalter förderten Klöster und Königshäuser den Gemüseanbau, und es wird vermutet, dass in Klöstern bereits neue Sorten durch Auslese gezüchtet wurden.

Aber den wohl größten Schub erhielt der Bestand der Gemüsepflanzen durch die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch Christoph Kolumbus. Viele Pflanzen wurden wegen ihrer schönen Form und Blüten mitgebracht, und der eigentliche Nutzen wurde erst später entdeckt. Kleingärten stehen für Vielfalt, jeder Garten sieht anders aus, jede Gartenanlage hat eine eigene Geschichte zu ihrer Entstehung. Die Kleingärten haben sich zu einem Rückzugsgebiet für viele seltene Pflanzen und Tierarten entwickelt. Aus diesem Grunde sollte es uns ein Herzensbedürfnis sein, alte Gemüsesorten zu erhalten.

Die Blätter des Roten Meier werten jeden Salat farblich und auch geschmacklich auf.

Das Saatgut mag zwar etwas teurer sein, aber diesen Nachteil machen die robusten alten Sorten mehrfach wieder wett. Manche Sorten eignen sich zum Verzehr, aber auch als Zierpflanze, besonders interessant ist dies bei Mischkulturen. Der Mangold ist eine sehr gerne für Mischkulturen gewählte alte Gemüsesorte. Seine Urform ist die wilde Rübe – auch See-Mangold genannt – und stammt aus den östlichen Gebieten der Mittelmeerküsten. Als eine sehr robuste alte Gemüsesorte hat sich der ‘Rote Meier’ erwiesen. Diese einst sehr beliebte Gemüsesorte wurde durch den Blattspinat verdrängt und kehrt nur sehr zögerlich in unsere Gärten zurück. Dabei stellt der ‘Rote Meier’ keine großen Ansprüche an Boden und Standort, nur genügend Sonne sollte er erhalten. Seine roten Blätter werten jeden Salat auf und geben eine besondere geschmackliche Komponente. Eine weitere für den Salat geeignete Pflanze ist der Baumspinat (Chenopodium giganteum), der durch sein Farbspiel der Blätter besticht. Man sollte jedoch bei der Standortwahl die mögliche Größe von bis zu 3 m beachten oder gleich den kleineren Kulturhybride (Chenopodium giganteum) ‘Magenta Spreen’ wählen. Aber auch alte Kohlsorten, wie der Rotkohl ‘Roodkop’ (Schwarzkopf), sind robuste Pfleglinge und führen schnell zum Erfolg.

Stiel-Mangold wird als spargelähnliches Gemüse verzehrt, Schnitt-Mangold ist auch als Beißkohl oder Römischer Kohl bekannt. Fotos:Brumm

Sorten wie diese prägten die Küche vor der Entdeckung Amerikas, als hauptsächlich Rüben, Kraut und Brot serviert werden konnten. Aber nach dessen Entdeckung verbesserten sich die Möglichkeiten für die Ernährung enorm.

Es dauerte einige Zeit, bis beispielsweise der Wert der Kartoffel für die Zubereitung von Speisen erkannt wurde. Aber nachdem dies geschehen war, entstanden viele neue Sorten. Viele dieser Sorten sind uns heute kaum noch bekannt, aber die Erhaltung dieses Genpools lohnt sich. Gerade wir Kleingärtner können dazu beitragen, denn wir sind mit einer Million Mitglieder in der gesamten Bundesrepublik nicht unbedeutend. 

Tommy Brumm