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Alternatives Obst und Wildobst

Alte stachelige Brombeersorte ‘Theodor Reimers’ in einen Zaun geflochten / Stachellose Brombeere nach der Blüte

Wildobst sind alle Gehölze mit essbaren Früchten, die nicht gewerblich angebaut werden, nicht züchterisch bearbeitet und in dem Gebiet heimisch sind. Normalerweise schließt das sowohl Zierpflanzen als auch seltene, alte und neue Obstarten aus.
Mittlerweile werden im Handel viele Zierpflanzen und seltene Obstarten als Wildobst bezeichnet. Selbst jahrhundertelang genutzte Obstarten wie Quitte, Speierling oder Sanddorn werden zu Wildobst umdeklariert, damit sie besser verkauft werden können.
Wildobst lässt sich wie alles Obst durch Schnitt- und Kulturmaßnahmen gestalten und formen.

Die Bezeichnung Wildobst ist bei Arten wie z.B. Holunder (Sambucus) schwierig, der sowohl Wildobst als auch Kulturobst sein kann. Züchterisch bearbeitete Ertragssorten wie 'Haschberg' sind normales Obst, während wild wachsende, meist von Vögeln verbreitete Exemplare Wildobst sind. Die Zierformen sind auch kein Wildobst im engeren Sinne. Das gleiche gilt für anderes heimisches Obst, Nüsse und viele Beeren.
Meist erkennt man „echtes“ Wildobst am sperrigem, großem Wuchs, kleinen, selten schmeckenden Früchten und unregelmäßiger Reife.

Echtes Wildobst im Wortsinn sind nur Wildformen von Waldhimbeeren (Rubus idaeus), verschiedenen Brombeeren (Rubus ssp.), Heidelbeeren (Vaccinum myrtillus), Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idea), Alpenjohannisbeere (Ribes alpinum), Vogelkirschen (Prunus avium), Holzapfel (Malus sylvestris, Achtung: vom Holzapfel gibt es auch Zierformen), Wildbirne (Pyrus communis), Weißdorn (Crataegus, ist aber im Kleingarten verboten anzubauen), Holunder (Sambucus nigra und S. racemosa), heimische Felsenbirne (Amelanchier ovalis), Kornelkirsche/Herlitze (Cornus mas), Schlehe (Prunus spinosa), Kirschpflaume (Prunus cerasifera), Hagebutte (meist Rosa canina, aber auch andere Wildrosenarten) und Eberesche (Sorbus acuparia). Für den Kleingarten eignen sich diese Wildobstarten selten, denn man möchte mehr als winzige, nicht schmeckende Beeren an riesigen Gehölzen.

Rotlaubiger, geschlitztblättriger Holunder (Sambucus nigra ‘Black Lace’) mit Früchten und Blüten

Deshalb sollten nur bestimmte züchterisch bearbeitete „Wildobstgehölze“ angebaut und ansonsten auf alternatives Obst zurückgegriffen werden.
Wer die Eberesche mag, kann die Sorte 'Rosina' pflanzen, diese ist nicht nur kompakter im Wuchs, auch können ihre Beeren roh verzehrt werden, da sie im Gegensatz zur Wildform ungiftig sind.
Bei Holunder ist die Sortenauswahl riesig. Empfehlenswert sind die Sorten 'Haschberg' und 'Sampo', da sie große reichblühende Dolden mit gleichzeitig abreifenden Beeren haben. Aber auch die dunkellaubigen Zier-Sorten wie 'Black Lace' oder der Säulenholunder 'Black Tower' haben noch einen gewissen Fruchtertrag. Wer einen ausreichend frischen Boden hat, kann auch den rotfrüchtigen Trauben-Holunder (Sambucus racemosa) anbauen, aber es gilt wie bei allen anderen Holundern auch: Nur gekochte Beeren sind ungiftig.

Bei der Felsenbirne (Amelanchier) gibt es einige Wildobst-Arten, wie die heimische Felsenbirne (A. ovalis), die kleine Früchte hat, aber auch einen kleinen Wuchs und so gut in eine Lücke oder lichte Ecke passt. Die Büsche der Zierpflanzen-Arten A. laevis und A. lamarckii müssen hingegen gut geschnitten werden, da sie sonst 4 - 6 m breit werden. Die Sorte 'Ballerina' hat dafür aber empfehlenswert große, wohlschmeckende Beeren.

Durchgetriebene Kirschpflaumenunterlage (grün) und Blutpflaume (dunkelrot) als ein ganzer Busch und im Detail

Die Kirschpflaume (Prunus cerasifera) ist ein typisches Wildobst, sie wird aber ohne Schnitt so groß wie ein starkwüchsiger Apfelbaum und muss deshalb regelmäßig geschnitten werden. Die Früchte erinnern im Geschmack an Pflaumen, nur nicht ganz so süß und lösen schlecht vom Kern. Oft werden sie fälschlicherweise für Mirabellen gehalten, die aber gut vom Kern lösen. Kirschpflaumenfrüchte gibt es je nach Sorte in rot, gelb oder blau, der Geschmack ist von mehlig bis süß möglich. Da sie oft nur als Zierpflanze gehandelt werden, sind Fruchtfarbe und Geschmack eher Glückssache. Man kann sich aber bei Wildbeständen durchprobieren und dann Steckhölzer nehmen. Die rotlaubigen, „Blutpflaumen“ genannten Zierformen (P. c. 'Nigra' und P. c. x saliciana 'Trailblazer') bleiben im Wuchs kleiner und sind durch ihre sehr schmackhaften Früchte eine Bereicherung für jeden Garten.

Beim Holzapfel, der für germanische Rituale verwendet wurde, ist es nicht empfehlenswert ihn zu essen: er ist bitter, sauer und pelzig. Bei vollständiger Reife ist er nur noch bitter und sauer. Wer gern kirschgroße Äpfel essen möchte, der kann eine großfruchtige Zierform wie 'John Downie' oder 'Golden Hornet' anbauen. Diese Zierformen bleiben kleine Büsche von kaum 4 m Höhe und haben zusätzlich zu den dekorativen Früchten noch Unmengen von Blüten. Die Früchte eigenen sich besonders gut für Marmeladen, denn sie haben viel Pektin und gelieren sehr gut. Vom Geschmack erreichen sie aber die normalen Kulturäpfel nicht. Kleinfruchtige oder rotblühende Zierformen haben oft  sauer-mehlig schmeckende Früchte.
Wildbirne (Pyrus communis) ist bestachelt, wird mit 20 m Höhe zu groß für den Garten und schmeckt ähnlich wie der Holzapfel. Hier eignen sich die Nashi-Birnen (Pyrus pyrifolia) besser, da sie tolerant gegen Birnengitterrost sind und gut schmecken.
Bei Brombeeren (Rubus fruticosus) sind die Wildformen nicht nur stacheltragend, sondern auch viel wüchsiger und deshalb schwerer zu beherrschen als Kultursorten. Wer aber die stachellosen Sorten nicht wohlschmeckend genug findet, der kann alte Sorten wie 'Theodor Reimers' ausprobieren, die zwar Stacheln, aber schwächeren Wuchs und sehr guten Geschmack haben.
Schlehe (Prunus spinosa) ist nicht jedermanns Sache. Nicht nur dass sie extrem stark Ausläufer bildet und Dornen hat, ihre Früchte sind auch erst nach dem ersten Frost genießbar und insgesamt eher sauer als süß. Sie wird klassisch für Marmeladen oder Weinherstellung verwendet. Die Haferschlehe (Prunus domestica var. insititia) ist eine der Schlehe im Wuchs ähnliche, ausgewilderte Hauspflaume, aber schon im Spätsommer bei Reife essbar. Sie benötigt als Wildling auch eine Wurzelsperre wird aber oft auf Prunus crasifera veredelt verkauft und benötigt dann keine Wurzelsperre. Dieses alte Obst war kurz vor dem Aussterben, wird jetzt aber wieder vermehrt und verkauft.

Amelanchier ‘Ballerina’, zum Größenvergleich der Früchte / Niedrige Hagebutte (Rosa rugosa Hybride) ‘Rotes Phaenomen’ mit Blüte und Früchten

Bei den Hagebutten ist die Kartoffelrose (Rosa rugosa) mit ihren großen, fleischigen Früchten ideal für Marmeladen, statt heimischen, kleinfruchtigen Arten. Aber auch hier ist wie bei der heimischen Hagebutte eine Wurzelsperre nötig. Kartoffelrosen gibt es nicht nur in rot und weiß sondern in vielen Varianten, da die Engländer sie als Zierrose züchten. Unter „Rosa rugosa Hybriden“ finden sich die besseren Sorten, die oft schöne, duftende, ganzjährig erscheinende Blüten mit großen Früchten kombinieren, wie die halb gefüllte, rosafarbene 'Moje Hammerberg' oder die gefüllte violette 'Hansa'.
Heimische Heidelbeeren (Vaccinum myrtillus) sind schwierig anzubauen, denn sie benötigen feuchtes, schattiges Klima, eine saure, dicke Auflageschicht aus Spreu auf dem Boden und einen bestimmten Pilz darin, der wieder bestimmte Ansprüche an den Boden hat. Oft wachsen sie im Garten schlecht bis gar nicht. Hier ist es besser auf amerikanische Kulturheidelbeeren (Vaccinum corymbosum) zurück zu greifen, die durch ihre Strauchgröße auch leichter beerntet werden können.
Sanddorn (Hippophae rhamnoides) gibt es praktisch nur in Kulturformen, da er bei uns nicht heimisch ist, sondern aus dem Himalaya-Gebiet stammt. Seine gesunden Früchte sind bei der Ernte ein Graus, da sie beim Pflücken aufplatzen und auslaufen. Normalerweise muss er bei Frost geerntet werden, aber dieser tritt bei uns im Vergleich zum Reifezeitpunkt viel zu spät im Jahr auf. So müssen die Triebe abgeschnitten, eingefroren und erst danach abgeerntet werden oder man schneidet mit viel Geduld die Fruchtstiele vom Strauch ab oder „melkt“ den Saft direkt vom Busch in ein Gefäß. Bei Sanddorn benötigen Sie weibliche Sträucher für den Fruchtertrag und wenigstens einen männlichen zur Befruchtung. Achten Sie darauf dass die männliche Sorte vom Blühzeitpunkt zu den weiblichen passt. Bei den weiblichen Sorten ist 'Leikora' hervorzuheben, da diese Sorte nur alle zwei Jahre trägt und nicht jedes Jahr wie die anderen. Alle Sanddornsorten benötigen eine Wurzelsperre (am besten ein altes Wasserfass ohne Boden eingraben), da sie bis zu 15 m lange Ausläufer in jede Richtung bilden.

Roter Traubenholunder (Sambucus racemosa) mit reifen Früchten / alle Fotos: V. Croy

Bei Himbeeren und Preiselbeeren sind Kulturformen mit großen Früchten den Wildformen vorzuziehen. Wer Waldhimbeergeschmack mag, kann die alte Sorte 'Winklers Sämling' anbauen. Nur müssen diese direkt vom Strauch gegessen werden, da sie nach wenigen Minuten Transport zermatschen.
Die Kornelkirsche, Herlitze oder „Dirndl“ (in Österreich) wird wegen ihrer gelben Blüte im März angepflanzt. Die eiförmigen, roten Früchte sind herrlich für Marmeladen geeignet. Zum Frischverzehr (als Tafelobst) eignen sich die Ertrags-Sorten 'Jolico' und 'Schönbrunner Gourmetdirndl'. Es gibt aber auch viele Tafelobst-Sorten aus Osteuropa wie die gelbe 'Flava' oder die dunkelrote 'Dublany'.
Wer Haselnüsse im Garten anbauen will, braucht als erstes eine stabile Wurzelsperre aus dicker Teichfolie oder Spezialmaterial, das lange hält, da die Haselnuss (Corylus avellana) sich gerne bestockt und schnell ein dichter, Ausläufer bildender, sich ausbreitender Busch wird. Empfehlenswert sind Ertragssorten wie 'Halle'sche Riesennuss', ''Webbs Preisnuss' oder 'Wunder aus Bollweiler', da nicht nur die Nüsse größer und zahlreicher sind, sondern der Wuchs auch schwächer ist und sie weniger Ausläufer bilden. Besser ist es auf die Lamberthasel (Corylus maxima) zurückzugreifen, da sie keine Ausläufer bildet und 5 m Höhe kaum übersteigt. Die Bluthasel (C. maxima 'Pupurea') bleibt mit 4 m Höhe noch etwas kleiner und hat dekoratives rotes Laub. Die Baumhasel (Corylus colurna) wird oft über 20 m hoch und hat wie die Walnuss nichts im Kleingarten verloren. Sie kann auf großen Gemeinschaftsflächen angepflanzt werden.

Beim Kauf von Wildobst muss meist auf Online-Versand und Spezialbaumschulen zurückgegriffen werden, da dort die Auswahl weit größer ist. Geben Sie eine der hiergenannten Pflanzen wie die Haferpflaume mit vollständiger botanischer Bezeichnung und Sorte in ihre Suchmaschine ein und Sie bekommen einige Spezialbaumschulen angezeigt. Diese haben dann meist auch eine große Auswahl weiterer Arten und Sorten. Recherchieren Sie neue Pflanzen vor dem Kauf, damit sie zu Ihrem Standort passen und auch schmecken und nicht wie Goji-Beeren nur gesund sind.
Volker Croy