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Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V.

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Landeserntedankfest

Sächsische Kleingärtner präsentierten sich beim 20. Landeserntedankfest 2017 in......[mehr]

24.11.2016 11:43

Landeswettbewerb 2017 ausgeschrieben

LfULG und LSK schreiben gemeinsamen Landeswettbewerb "Gärten in der Stadt" 2017......[mehr]

Die Schreberbewegung

Der Garten und die Bewegung in freier Natur (von Manfred Wolff, Leipzig)

, wie Garten

Mit der Entwicklung der Menschheit gab es eine allseitige Belastung aller Körperfunktionen. Die Menschen hielten sich in freier Natur auf, mussten große Anstrengungen zur Ernährung, zum Wohnen und zum Schutz unternehmen. Mit Beginn der Industrialisierung kam es zu einseitigen Belastungen und ungesunden Tätigkeiten. Betätigung an der frischen Luft, einschließlich der Gartenarbeit, musste eine Ausgleich schaffen. Ja – und das hat mit zur Entwicklung der Schreberbewegung beigetragen. Gerade mit Beginn der Industrialisierung wäre ohne allseitige körperliche Betätigung, der Mensch in der Fabrik frühzeitig degeneriert.

Zum Beginn der Entwicklung der Menschheit hat sich der Mensch, zu erst als 

Jäger und der Sammler bzw. später als Ackerbauer und Viehzüchter allseitig bewegt.

Körperentwicklung im Kindesalter

Gerade im Kindesalter ist die umfassende Ausprägung des Körpers von entscheidender Bedeutung. Aber auch der Psyche, der Seele und dem Bewusstsein kommt die Auseinandersetzung mit dem Werden und Vergehen,

mit dem Ausprägen der Verantwortung, der kindliche Schaffensprozess große Bedeutung bei.

Wie Kinder pädagogisch betreut werden, können wir uns in der Natur betrachten. Sie brauchen Zuwendung und Rückhalt, liebevolle Betreuung und das erfassen

der Grenzen.


„Schulterband“ (von Dr. Schreber )

Bis ins hohe Alter reicht die Freude an der Gartenarbeit. Sie erhält dem Leben seinen Sinn und ermöglicht bei eigener Zeit- und Krafteinteilung eine aktive Betätigung.


Gartenarbeit hält jung

und frisch !

Was bleibt ist die Freude am Farbenspiel der Natur, seiner Erneuerungskraft, seinem Wechselspiel der Jahreszeiten.

Schrebergärten

Der Gartenstadt Leipzig- Marienbrunn

Leipzig zählt mit Recht zur Heimstatt der deutschen Kleingartenbewegung. Obwohl der Erste Kleingartenverein in Kappeln an der Schlei (Schleswig-Holstein) gegründet wurde, sind in Leipzig die Wurzeln und die Gründungsväter zu Hause. Selbstverständlich muss man die Personen, wie Dr. Schreber oder Hauschild in ihre Zeit gestellt betrachten. Fast jeder Kleingarten heißt Schrebergarten, aber Schreber selbst hat nur das Feld bereitet, ohne selbst je ein Kleingarten besessen zu haben.

Zum Beginn der Kleingartenbewegung

Aus der Geschichtsliteratur gibt es unterschiedliche Aussagen zum Beginn des Kleingartenwesens in Deutschland. So soll bereits 1797/98 der Landgraf Carl von Hessen, Königlicher Statthalter der damals unter dänischer Verwaltung stehenden Herzogtümer Schleswig und Holstein in Kappeln an der Schlei die ersten Pachtgärten, sogenannte Armengärten, Handwerkern und Tagelöhnern zur Verfügung gestellt haben. Diese Gärten konnten sich jedoch nicht halten, weil die Pachtpreise für sozial Schwache zu hoch waren und die Kommune schließlich die Flächen aus wirtschaftlichen Gründen anderen Verwendungen zu führte. In einem Schreiben Carls von Hessen vom 10.10.1819 an die "Centraladministration der schleswig-holsteinischen patriotischen Gesellschaft" schildert er die positiven Auswirkungen der Art einer "produktiven Armenfürsorge". Beim Magistrat und den Deputierten Schleswigs fand der Brief Anklang und es wurde ein Gelände gefunden und verteilt. Die Größe des Landes betrug etwa 320 Quadrat-Ruthen (in den einzelnen deutschen Ländern war das Maß unterschiedlich, im Schnitt liegt 1 Quadrat-Ruthe zwischen 8 und 15 m²). Das Land wurde in 21 gleiche Stücke aufgeteilt. Bei Befolgung der Vorschriften konnte das Landstück vier bis fünf Jahre kostenlos genutzt werden. Es ist somit sicher, dass die Armengärten in Schleswig bereits Ende1819, spätestens 1820 bewirtschaftet wurden.

Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber

Zu den Biographien der Gründungsväter:

Dr. med. Daniel Gottlieb Moritz Schreber

geb. 15.Oktober 1808 in Leipzig als Sohn eines Rechtsanwaltes

Besuch der Thomasschule ; Studium der Medizin an der Leipziger Universität

1833 Promotion, 1836 praktischer Arzt in Leipzig. Ab 1844 Leitung der orthopädischen Anstalt in Leipzig (ehemaliger Standort war an der Ecke der heutigen Karl-Liebknecht/Hohe Str.)

1846 Bau einer gymnastischen orthopädischen Heilanstalt

Schreber war u.a. Begründer der Heilgymnastik, Mitbegründer des Leipziger

Turnvereines- bekannt sind auch verschiedene Veröffentlichungen über Bildung und Körpererziehung der Jugend. Seine verfassten pädagogischen und orthopädischen Werke erschienen in mehren Sprachen.

1851 zog sich Schreber unverhofft aus dem öffentlichen Leben zurück, legte alle Ämter nieder und schränkte seine Arbeit für die Heilanstalt ein. „Kopfleiden" soll die Ursache gewesen sein.

Am 10.November 1861 verstarb Schreber 53-jährig, vermutlich an den Folgen eines Darmdurchbruches.

Von Dr. Schreber sind uns auch andere Dinge überliefert: Einige Geräte aus Dr. Schrebers Buch „Erziehungslehre und sein Beitrag zur Körperbehindertenhilfe im 19. Jahrhundert“.

„Die Brücke“

Vorrichtung zur Behebung von O – und X- Beinstellung

Der Geratehalter

Dr. phil. Ernst Innocenz Hauschild

geb. 01, November 1808 in Dresden als Sohn eines Rechtsanwaltes

Besuch der Friedrich-August-Bürgerschule und Kreuzschule in Dresden, sowie der Fürstenschule zu Meißen.

Studium Philologie, Philosophie und Theologie in Leipzig und München.

Ab 1830 bis 1862 Lehrer an verschiedenen Schulen; 1862 wurde er Direktor der 4. Bürgerschule in Leipzig.

Am 06.August 1866 verstarb Dr. Hauschild 58-jährig.

Hauschild war weder der Schwiegersohn noch der Schwager von Dr. Schreber.

Am 10.Mai 1864 wurde auf Vorschlag von Dr. Hauschild die Gründung eines Vereins zur Errichtung eines Spielplatzes von einer Elternversammlung der 4. Bürgerschule beschlossen. Auf Vorschlag von Hauschild erhielt er den Namen "Schreberverein". Damit sollte ein ehrendes Gedenken an den "trefflichen ärztlichen Pädagogen Dr. Schreber" geschaffen werden, so Hauschild.

Am 25.Mai 1865 fand die Einweihung des 1. Schreberplatzes am Johannapark (heute Clara-Zetkin-Park) statt. Das war die Geburtsstunde der Schreberverein in Leipzig.

„Spielvater Karl Gesell mit Kindern auf der Wiese des Schrebervereins der Südvorstadt

Oberlehrer Karl Gesell

von 1800 - 1879

Ende 1868, also zwei Jahre nach Dr. Hauschild's Tod, schlug der pensionierte Oberlehrer Karl Gesell vor, auf einem Teil des Platzes Beete für Kinder einzurichten. Bereits ein Jahr später wurde aus den "Kinderbeeten" "Familienbeete". Es entwickelten sich kleine Gärten. Bereits 1870 gab es dadurch ca. 100 Gärten.

Der erste Schreberspielplatz der Welt

Ein einfacher Wiesenplan wurde 1804 von Dr. Hauschild pachtweise erworben.

Um den Wiesenplan entstehen Kinderbeete

Spielvater Gesell legt 1868 Kinderbeete um den Spielplatz an.

Aus den Kinderbeeten werden Familienbeete

Am 7. Juni 1869 wurden diese Familienbeete eingeweiht.

Aus den Familienbeeten werden Gärten

So war 1870 die erste Schrebergartenanlage der Welt geschaffen.

(4 Fotos von Prof. G. Katsch)