Neu!

Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V.

Aktuelles:
24.11.2016 11:43

Landeswettbewerb 2017 ausgeschrieben

LfULG und LSK schreiben gemeinsamen Landeswettbewerb "Gärten in der Stadt" 2017......[mehr]

23.10.2016 09:53

Verbesserte Versicherungsbedingungen

KVD verbessert den Versicherungsschutz in den Gruppenverträgen zum 1. Januar 2017. Informieren......[mehr]

02.10.2016 09:28

LSK beim „Tag der Sachsen“ 2016

---> hier informieren...[mehr]

Kleingartenanlagen gestern und heute

Die organisierte Kleingartenbewegung hat ihren Ursprung in der sozialen Not der Arbeiter, die zur Zeit der Industriellen Revolution in die städtischen Ballungsgebiete strömten. Durch Zuweisung von Gartenparzellen sollten katastrophale Wohnbedingungen und schlechte Versorgung mit Lebensmitteln ausgeglichen werden, die Erholung im freien Gegengewicht zur Arbeit sein. Impulse für die Entwicklung des heutigen Kleingartenwesens kamen auch von der Naturheilkundebewegung, deren Mitglieder danach strebten, ihr Leben nach ganzheitlichen Lebens- und Heilweisen auszurichten. Am bekanntesten in der Historie ist jedoch die Schreberbewegung, die ab 1864 von Leipzig ausging und ursprünglich die soziale Erziehung von Kindern und Jugendlichen - unter anderem durch Beschäftigung mit gärtnerischer Tätigkeit - zum Ziel hatte. Diese Strömungen veranlassten die Gründung zahlreicher Vereine und sind die Basis der heute weit verbreiteten Kleingartenbewegung.

Neue Kleingärten entstanden meistens in Notzeiten. In der Zwischenkriegszeit wurden planmäßig Kleingartenanlagen von beispielhafter städtebaulicher Qualität angelegt.

Auch in der DDR hatten Kleingärten einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, denn Kleingärtner trugen dazu bei, Versorgungsengpässe bei Obst und Gemüse zu überbrücken. Häufig wurden in der Nähe von Großsiedlungen neue Kleingartenanlagen errichtet. Ursprünglich geplante Einrichtungen wie Festwiesen, Spielplätze und Schmuckanlagen erlebten jedoch selten ihre Verwirklichung. Stattdessen entstanden bescheidene Gemeinschaftsanlagen überwiegend in Selbsthilfe. Nicht selten wurden auch ökologisch sensible oder für die öffentliche Erholung wichtige Flächen in Beschlag genommen wie z.B. Waldränder, Gewässerufer und Teile des öffentlichen Wegenetzes. Der Kleingarten diente dem Rückzug in den privaten Bereich; Verantwortung für das Kleingartenwesen insgesamt übernahmen nur wenige.

Mit der Entwicklung der Städte waren Kleingärten in Ost und West immer wieder auch von Abriss und Verdrängung bedroht: für Verkehrswege, Gewerbeanlagen, Wohngebiete. Trotz des Funktionsschwundes bei der primären Nahrungsmittelversorgung und einer Entwicklung hin zur überwiegenden Freizeitnutzung erfüllen Kleingärten heute wichtige soziale Aufgaben: 

• Versorgung mit privat nutzbarem Freiraum
Kleingärtner und ihre Familien bewohnen überwiegend gartenlose Wohnungen. Der Kleingarten ist eine wichtige Ergänzung zur Wohnqualität.

• Soziale Integration
Menschen verschiedener Altersgruppen, Lebensformen, Schichten und Nationalitäten werden auf der Basis gleicher Interessen zusammengeführt.

• Naturerleben von Kindern
Kinder machen sich mit Pflanzen, Materialien, Naturprozessen und Arbeitsabläufen vertraut. Verantwortung für die Umwelt entsteht.

• Lebensinhalt für Senioren
Älteren Menschen bieten Kiemgärten ausfüllen de Beschäftigung. Im Garten, über den Zaun und durch Vereinsaktivitäten haben sie Kontakte.

• Gesundheit im Garten
Kleingärten haben gesundheitsfördernde Funktion. Gartenarbeit trägt bei zum Wohlbefinden von Körper und Seele, sie schafft Ausgleich zum Alltag.

Kleingärten als privat nutzbare Freiräume sind eine wichtige Ergänzung zum gartenlosen Geschosswohnungsbau, umso mehr, je näher sie zu den Wohnungen liegen.

Vereinsheime und ihr Umfeld, Kinderspielplätze und Wege entlang schöner Gärten, oft auch in landschaftlich schöner Umgebung, sind wichtig für die Versorgung der Städte mit öffentlichen Erholungsflächen und ein zusätzliches Angebot für umliegende Anwohner. Durch Verknüpfung mit Fuß- und Radwegen werden Kleingartenanlagen zu Bestandteilen städtischer Grünzüge.

Kleingärten tragen zum ökologischen Ausgleich in dicht bebauten Stadtvierteln bei. Durch ihren Vegetationsbestand und unversiegelte Bodenflächen wirken sie positiv auf Stadtklima und Lufthygiene und erlauben Grundwasserneubildung. Zwischen Baugebieten und intensiv bearbeiteten landwirtschaftlichen Flächen sind sie bedeutender Lebensraum für Pflanzen- und

Tierarten. Voraussetzung für die positiven Wirkungen sind allerdings: 

Ökologisch und gestalterisch sinnvolle Pflanzen auswahl

• Geringe Versiegelung, Rückhaltung und Nutzung von Niederschlagswasser

• Keine Umweltschäden durch Düngung, Pflanzenschutz, Abfälle, Abwässer.

Die sozial, ökologisch und städtebaulich positiven Funktionen von Kleingärten werden immer stärker wahrgenommen und nutzbar gemacht. Hervorragende Beispiele werden gewürdigt und veröffentlicht. Neben individuellem Engagement der Kleingärtner auf ihren Parzellen und im Verein ist bei der fachlichen Beratung der Mitglieder, bei Organisation und politischer Vertretung nach außen die Tätigkeit der Verbände von großer Bedeutung. Kleingärten sind aus

unserer Gesellschaft und Siedlungslandschaft nicht wegzudenken. Vielleicht steht ihnen angesichts brachliegender Flächen in den Städten sogar eine erweiterte Rolle bei der Schaffung lebenswerter Städte und Gemeinden bevor.